Mitglieder des NVVO auf dem Subigerberg und am Col de Bretolet aktiv
Medienmitteilung von BirdLife Solothurn vom Oktober 2025
Seltene Gäste und grosses Engagement auf dem Subigerberg – BirdLife
Solothurn blickt auf erfolgreiche Zugvogelerfassung zurück
Sie ziehen in grosser Höhe oder knapp über den Baumwipfeln, bei Tag und Nacht – der
Herbst ist Hochsaison für Zugvögel. Auf dem Subigerberg bei Gänsbrunnen wurde in den
vergangenen vier Wochen erneut gezählt, geforscht und begeistert beobachtet. Rund 50
freiwillige Helferinnen und Helfer von BirdLife Solothurn leisteten einen wertvollen Beitrag
zur internationalen Vogelzugforschung. Insgesamt wurden 79’830 Zugvögel beobachtet und
1’240 Individuen neu beringt.
Ein besonderes ornithologisches Highlight war die Beringung eines Gelbbrauenlaubsängers
– erst der dritte Nachweis dieser sibirischen Art in 57 Jahren auf dem Subigerberg.
Moderne Datenerfassung und bewährte Feldarbeit
Erstmals wurden die Beobachtungen direkt mit Tablets erfasst und automatisch in eine
öffentliche Datenbank hochgeladen. Diese neue Methode erlaubt künftig noch präzisere
Auswertungen zu Schwarmgrössen und Durchzugszeiten.
„Wir verbinden auf dem Subigerberg jahrzehntelange Erfahrung mit moderner Technik“,
erklärt Barbara Schlup, Stationsleiterin von BirdLife Solothurn. „So können wir den
Vogelzug heute genauer verstehen als je zuvor – und leisten gemeinsam mit unseren
Freiwilligen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Zugvögel.“
Zahlen, die begeistern – und nachdenklich stimmen
Während 265 Beobachtungsstunden wurden 79’830 Zugvögel registriert. Die häufigsten
Arten waren der Buchfink (35’650 Individuen), der Erlenzeisig (11’108) und die
Ringeltaube (10’331).
Unter den besonderen Beobachtungen finden sich Rohrweihen (6), Kornweihen (2), Merline
(2), eine Bekassine, eine Waldschnepfe und zwei Steinadler – ein eindrücklicher Beleg für
die Vielfalt, die der Subigerberg jedes Jahr bietet.
Bei den Beringungen stachen Buntspechte (8) und Mittelspechte (3) hervor. Beide Arten
profitieren von einer naturnahen Waldbewirtschaftung, die ihre Bestände in der Schweiz
wachsen lässt. Besorgniserregend ist hingegen der Rückgang des Grünfinks, dessen Zahlen
sich in den letzten Jahren halbiert haben – ein Trend, der sich auch in landesweiten
Brutvogelkartierungen zeigt.
Engagement für die Natur – lokal und wirksam
Seit 1968 werden auf dem Subigerberg in Gänsbrunnen Zugvögel nach wissenschaftlichen
Standards erfasst und beringt. Diese wertvolle Arbeit wäre ohne das ehrenamtliche
Engagement der Helferinnen und Helfer nicht möglich.
„Das Engagement der Freiwilligen ist das Herzstück unserer Arbeit“, betont Barbara Schlup.
„Sie stehen bei Wind und Wetter im Einsatz, beobachten mit Leidenschaft und tragen damit
ganz konkret zur Erforschung und zum Schutz der Vögel bei.“
Auch das öffentliche Interesse war gross: 590 Besucherinnen und Besucher liessen sich die
Faszination des Vogelzugs erklären, darunter mehrere Gruppen, die das gemeinsame
Angebot von BirdLife Solothurn und dem Naturpark Thal nutzten.
Seltene Gäste aus Sibirien
Der Gelbbrauenlaubsänger, das ornithologische Highlight des Jahres, brütet in der
sibirischen Taiga und überwintert in Südostasien. Einige Individuen verirren sich auf ihrer
langen Reise nach Europa – und nur ganz selten ins Schweizer Mittelland. Seine Entdeckung
auf dem Subigerberg zeigt eindrücklich, wie weitreichend und faszinierend die Wege des
Vogelzugs sind.