51. Generalversammlung Freitag, 31.01.2020, 19.00 Uhr 

Am kommenden Freitag, 31.01.2019, 19.00 Uhr findet die 51. Generalversammlung des NVVO statt.
 
Unter den folgenden Links findet ihr die Einladung/Traktandenliste und den Jahresbericht 2019 des Präsidenten.

Einladung / Traktandenliste

 
Wie immer haben wir zwischen Nachtessen und Dessert eine Überraschung für euch parat. Der Vorstand freut sich jetzt schon, viele Mitglieder an der Generalversammlung begrüssen zu können.

Tier des Jahres 2020

Das Tier des Jahres 2020 ist die Wildkatze!

Foto: Fabrice Cahez

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist 2020 Botschafterin für wilde Wälder, deckungsreiche Kulturlandschaften und wirkungsvollen Naturschutz. Die elegante Jägerin war einst der Ausrottung nahe. Heute breitet sie sich wieder aus. Dabei sorgt die Wildkatze auch für Überraschungen.

Der lateinische Name der Wildkatze bedeutet «Waldkatze». Wilde Wälder mit vielfältigen Strukturen sind der ursprüngliche Lebensraum der Wildkatze. Hier jagt sie Mäuse und andere Kleintiere, verschläft manche Stunde im sicheren Versteck und bringt in einem trockenen Unterschlupf ihre Jungen zur Welt.

Warum wählt Pro Natura die Wildkatze zum Tier des Jahres?
Mehr Wildnis wagen – dafür wirbt die Wildkatze 2020. Mehr freie Naturentwicklung täte der aufgeräumten Schweiz vielerorts gut. Es muss nicht immer gleich ein grossflächiges Wildnisgebiet sein. In jedem Waldstück, an jedem Bachlauf, am Feldrand und auf der Weide können wir der Natur Freiraum gewähren. Davon profitieren viele Tier- und Pflanzenarten, nicht nur die Wildkatze. Die Wildkatze wagt sich auch in die Kulturlandschaft vor, wenn sie dort genügend deckungsreiche «Unordnung» vorfindet. Allerdings: Passende Lebensräume helfen Beutegreifern wie der Wildkatze nur dann, wenn die Tiere vor direkter Verfolgung geschützt sind. Auch das zeigt die Geschichte der Wildkatze exemplarisch.
 
Wildkatze im Aufwind
Die Europäische Wildkatze teilte das Schicksal aller Beutegreifer in der Schweiz. Sie wurde erbarmungslos als vermeintlicher Schädling verfolgt. Philipp Schmidt stellt 1976 in seiner Geschichte der jagdbaren Tiere der Schweiz fest: «Im schweizerischen Bundesgesetz über Jagd und Vogelschutz von 1963 ist die Wildkatze sogar geschützt, aber es ist wohl wie mit dem Güllenloch, das erst zugedeckt wird, wenn schon einer hineingefallen ist.» (Philipp Schmidt, Das Wild der Schweiz, Bern 1976, Seite 341).
Glücklicherweise kam der Schutz für die Wildkatze gerade noch rechtzeitig. Heute beherbergt der Schweizer Jura grossflächig Wildkatzen. Es wird allerdings für immer offen bleiben, ob der «Tiger unserer Wälder» der Ausrottung in der Schweiz tatsächlich entgangen ist. Möglich ist auch, dass die Art aus Frankreich wieder eingewandert ist. In den 1960er und -70er Jahren erfolgten zudem mehrere Aussetzungen von Wildkatzen durch amtliche Stellen und Privatpersonen.
 

Aktuelle Verbreitungskarte der Wildkatze in der Schweiz. Jedes Quadrat markiert eine oder mehrere Beobachtungen (Stand November 2019)

 

Wie erkenne ich eine Wildkatze?
Nicht nur Wildkatzen sind in unseren Wäldern unterwegs. Rund 1.6 Millionen Hauskatzen leben in der Schweiz. Viele von ihnen geniessen freien Auslauf. Auch Tausende von verwilderten Katzen streifen durch Feld und Wald. Selbst bei einer Katzenbeobachtung im tiefsten Wald stellt sich deshalb oft die Frage: Wildkatze oder Hauskatze? Eine getigerte Hauskatze ist nicht immer leicht von einer Wildkatze zu unterscheiden. Endgültige Gewissheit gibt es nur durch genetische Analysen. Äusserlich sind folgende Merkmale typisch für eine Wildkatze:
  • Körperbau massig wirkend durch das dichte, langhaarige Fell
  • Fell seitlich «verwaschen» grau-bräunlich, oft mit weissen Flecken an Kehle, Brust und Bauch; immer mit dunklem Rückenstrich (sog. Aalstrich)
  • Schwanz buschig, mit stumpfem schwarzem Ende, oft mit 2-3 deutlichen schwarzen Ringen
  • Nasenspitze immer rosa
Der feine Unterschied: Wildkatze und Hauskatze
Man könnte vermuten, dass unsere Hauskatze (Felis catus) von der Europäischen Wildkatze (felis silvestris) abstammt. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr gehen unsere Stubentiger genetisch auf die afrikanisch-asiatische Wildkatze, auch Falbkatze genannt, zurück (Felis lybica). Mit den Römern gelangten die Hauskatzen vor rund 2000 Jahren in unsere Breitengrade. Die Wissenschaft sieht diese drei «Katzentypen» heute als eigenständige Arten. Hauskatzen und Wildkatzen können sich allerdings paaren und fortpflanzungsfähige Junge gebären.
 
 
Foto: Fabrice Cahez
Bei der Mäusejagd auf frisch gemähten Wiesen am Waldrand können sich Haus- und Wildkatzen leicht begegnen.
 
Wichtig: Hauskatzen unter Kontrolle halten
Die grösste Gefahr für unsere Wildkatzen geht mittelfristig von der Vermischung (Hybridisierung) mit Hauskatzen aus. Katzenhaltenden kommt also eine grosse Verantwortung zu. Wer freilaufende Katzen hält, sollte diese kastrieren. So werden Kreuzungen mit Wildkatzen verhindert. Erfreulicherweise nehmen bereits sehr viele Katzenbesitzende diese Verantwortung wahr. Das laufende Wildkatzenmonitoring wird auch Daten dazu liefern, wie es um die Hybridisierung von Wild- und Hauskatze in der Schweiz aktuell steht.
 
Zukunft Wildkatze: Es sieht gut aus…
Wenn ausgerottete Tierarten wieder in ihre ursprünglichen Lebensräume zurückkehren, sind Überraschungen nicht selten. Das ist auch bei der Wildkatze so. Jüngste Forschungsergebnisse der Stiftung KORA zeigen zum Beispiel, dass sich die Wildkatze auch ausserhalb von grossen Waldgebieten offenbar behaupten kann. Vier sendermarkierte Tiere hielten sich im Sommer 2018 regelmässig in der intensiv genutzten Kulturlandschaft des Seelandes auf.
Unentbehrlich sind aber Vernetzungsstrukturen wie Hecken, Gehölze und Waldinseln. Ebenso wichtig sind Wildtierpassagen über oder unter verkehrsreichen Strassen. Viele Wildkatzen fallen sonst dem Strassenverkehr zum Opfer.
 

Vogel des Jahres 2019

Der Vogel des Jahres 2019 ist unser "Wappentier", der Kiebitz:

Foto: Michael Gerber

Ein unverwechselbarer Vogel

Der Kiebitz fällt durch seine von weitem schwarze, von nahem in allen Farben schillernde Oberseite und den weissen Bauch auf. Diese Farbgebung sorgt bei einem fliegenden Schwarm für einen blinkenden Effekt. Speziell ist seine lange, abstehende Federholle am Hinterkopf.

Spezielle Jagdtechniken

Kiebitze ernähren sich überwiegend von kleinen Bodentieren. Dazu wenden sie zwei verschiedene Techniken an. Bei der einen verharren sie nach einer Reihe von schnellen Schritten einen kurzen Moment an Ort. In dieser Position lauschen sie nach allfälliger Beute und picken diese auf. Die zweite Technik ist das „Bodenklopfen“ oder „Fusstrillern“. Dabei stehen sie auf einem Bein und bewegen das andere rasch vibrierend auf und ab, ohne den Bodenkontakt zu verlieren. Auf diese Weise simulieren die Kiebitze Regen, was Beutetiere wie Regenwürmer aus der Erde lockt.

Vom Feuchtgebiet- zum Ackerbewohner

Ursprünglich bewohnte der Kiebitz in der Schweiz feuchte Wiesen. Als Folge der Trockenlegung vieler Moore und Feuchtwiesen zur Gewinnung von Landwirtschaftsland brach der Kiebitz-Bestand bis Mitte des letzten Jahrhunderts massiv ein. Die Art wechselte dann auf Ackerflächen. Die darauf folgende Bestandserholung dauerte aber nicht lange.

Gefährdung durch intensive Landwirtschaft

Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft wurde den Kiebitzen nochmals zum Verhängnis: Durch die intensive Nutzung des Kulturlandes mit zahlreichen Bewirtschaftunsgängen wurden Nester zerstört und Jungvögel überfahren. Jungvögel rennen bis zum Alter von drei Wochen nicht weg, sondern ducken sich bei Gefahr auf den Boden. Dieses Verhalten nützt bei Maschinen nichts. Wegen der massiven Anwendung von Pestiziden fehlt auch oft die Nahrung in Form von Insekten. In melioriertem Ackerland mangelt es an Feuchtmulden, was sich in trockenen Sommern katastrophal auswirkt, da die Nahrung für die Jungen nicht zugänglich ist. Der Bestand wurde 1975 auf mindestens 1000 Paare, 1995 auf rund 450 Paare geschätzt. 2005 erreichte er mit 83 Paaren seinen Tiefstand.

Zusammenarbeit mit Landwirten bringt Erfolg

Vor circa 15 Jahren starteten daher BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte verschiedene Schutzprojekte. Die Kiebitze werden nach dem Nestbau grossflächig durch Elektrozäune vor Prädatoren geschützt. In enger Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern begleiten Naturschützer alle landwirtschaftlichen Arbeiten, damit weder Eier noch Jungvögel zerstört werden. Mit den Bewirtschaftern wird vereinbart, dass sie bei der Mahd von Wiesen ein Mosaik aus geschnittenen und stehengelassenen Grasstreifen schaffen, um den Jungen den Zugang zur Nahrung und Schutz gegen Feinde aus der Luft zu gewähren. Zudem wurden Ackerflächen mit feuchten Stellen aufgewertet. Diese Schutzbemühungen leiteten eine Trendwende ein: 2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare, doch ist der Bestand noch zu klein, als dass er sich ohne Massnahmen erhalten könnte.

Quelle Text: https://www.birdlife.ch/de/content/vogel-des-jahres-2019-kiebitz

Foto: Stiftung Frauenwinkel