Natur- und Vogelschutzverein Oensingen

Vogel des Jahres 2019

Der Vogel des Jahres 2019 ist unser "Wappentier", der Kiebitz:

Foto: Michael Gerber

Ein unverwechselbarer Vogel

Der Kiebitz fällt durch seine von weitem schwarze, von nahem in allen Farben schillernde Oberseite und den weissen Bauch auf. Diese Farbgebung sorgt bei einem fliegenden Schwarm für einen blinkenden Effekt. Speziell ist seine lange, abstehende Federholle am Hinterkopf.

Spezielle Jagdtechniken

Kiebitze ernähren sich überwiegend von kleinen Bodentieren. Dazu wenden sie zwei verschiedene Techniken an. Bei der einen verharren sie nach einer Reihe von schnellen Schritten einen kurzen Moment an Ort. In dieser Position lauschen sie nach allfälliger Beute und picken diese auf. Die zweite Technik ist das „Bodenklopfen“ oder „Fusstrillern“. Dabei stehen sie auf einem Bein und bewegen das andere rasch vibrierend auf und ab, ohne den Bodenkontakt zu verlieren. Auf diese Weise simulieren die Kiebitze Regen, was Beutetiere wie Regenwürmer aus der Erde lockt.

Vom Feuchtgebiet- zum Ackerbewohner

Ursprünglich bewohnte der Kiebitz in der Schweiz feuchte Wiesen. Als Folge der Trockenlegung vieler Moore und Feuchtwiesen zur Gewinnung von Landwirtschaftsland brach der Kiebitz-Bestand bis Mitte des letzten Jahrhunderts massiv ein. Die Art wechselte dann auf Ackerflächen. Die darauf folgende Bestandserholung dauerte aber nicht lange.

Gefährdung durch intensive Landwirtschaft

Die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft wurde den Kiebitzen nochmals zum Verhängnis: Durch die intensive Nutzung des Kulturlandes mit zahlreichen Bewirtschaftunsgängen wurden Nester zerstört und Jungvögel überfahren. Jungvögel rennen bis zum Alter von drei Wochen nicht weg, sondern ducken sich bei Gefahr auf den Boden. Dieses Verhalten nützt bei Maschinen nichts. Wegen der massiven Anwendung von Pestiziden fehlt auch oft die Nahrung in Form von Insekten. In melioriertem Ackerland mangelt es an Feuchtmulden, was sich in trockenen Sommern katastrophal auswirkt, da die Nahrung für die Jungen nicht zugänglich ist. Der Bestand wurde 1975 auf mindestens 1000 Paare, 1995 auf rund 450 Paare geschätzt. 2005 erreichte er mit 83 Paaren seinen Tiefstand.

Zusammenarbeit mit Landwirten bringt Erfolg

Vor circa 15 Jahren starteten daher BirdLife Schweiz und die Schweizerische Vogelwarte verschiedene Schutzprojekte. Die Kiebitze werden nach dem Nestbau grossflächig durch Elektrozäune vor Prädatoren geschützt. In enger Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern begleiten Naturschützer alle landwirtschaftlichen Arbeiten, damit weder Eier noch Jungvögel zerstört werden. Mit den Bewirtschaftern wird vereinbart, dass sie bei der Mahd von Wiesen ein Mosaik aus geschnittenen und stehengelassenen Grasstreifen schaffen, um den Jungen den Zugang zur Nahrung und Schutz gegen Feinde aus der Luft zu gewähren. Zudem wurden Ackerflächen mit feuchten Stellen aufgewertet. Diese Schutzbemühungen leiteten eine Trendwende ein: 2018 gab es in der Schweiz wieder 206 Brutpaare, doch ist der Bestand noch zu klein, als dass er sich ohne Massnahmen erhalten könnte.

Quelle Text: https://www.birdlife.ch/de/content/vogel-des-jahres-2019-kiebitz

Foto: Stiftung Frauenwinkel

Tier des Jahres 2019

Das Tier des Jahres 2019 ist das Glühwürmchen!

Foto: Biosphoto / Stephen Dalton)

Unsere Tierwelt ist eine Welt der Insekten. Von rund 36'000 in der Schweiz bekannten Tierarten gehören 30'000 zu den Insekten. Wo es den Insekten gut geht, ist die Natur in Ordnung. Doch die Wunderwelt der Insekten zerfällt in beängstigender Geschwindigkeit. Lebensraumzerstörung, Pestizide, Lichtverschmutzung und andere Faktoren setzen ihr zu. Die Folgen für Natur und Mensch sind schwerwiegend. Das erkennen immer mehr Menschen, aufgeschreckt durch alarmierende Erkenntnisse der Wissenschaft. Auf diese Fakten und Probleme, aber auch auf praktische Lösungen wirft das Glühwürmchen 2019 sein magisches Licht.

Glühwürmchen-Larve greift Schnecke an  (Foto: Fotolia / Schmutzler-Schaub) Foto: Fotolia / Schmutzler-Schaub

Erst ganz am Ende seines Lebens verzaubert das Glühwürmchen in lauen Sommernächten die Landschaft mit seinen Lichtpunkten. Zuvor hat es rund zwei Lebensjahre als Larve verbracht. Seine Nahrung in dieser Zeit sind Schnecken. Dabei sind die Larven nicht wählerisch: Ob gross, klein, mit oder ohne Häuschen – die Larve erbeutet, was sie kriegen kann. Ihre rüden Jagdmethoden passen nicht ins romantische Bild vom Glühwürmchen als feenhaftes Lichtwesen.

Wie schwarzbraune Mini-Krokodile pirschen sich die Larven an ihre oft viel grösseren Beutetiere heran. Sie töten die erbeutete Schnecke mit Giftbissen und fressen sie innert eines Tages ganz auf. Ein besonderes Schwanzorgan hilft der Larve dabei, sich nach der schleimigen Mahlzeit gründlich zu reinigen.

Die Larven verfügen über Abwehrgifte. Sie sind für mögliche Fressfeinde ungeniessbar und warnen diese durch aufleuchtende Lichtpunkte am Hinterleib. Das Licht ist nicht so stark wie das Paarungssignal ausgewachsener Tiere, aber auf eine Distanz von 1-2 Metern gut sichtbar. Im Winter, wenn die Schnecken nicht erreichbar sind, fallen die Larven in eine Winterruhe.

Quelle: https://www.pronatura.ch/de/tier-des-jahres-2019-gluehwuermchen